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Aktuelle Nachrichtenmeldungen bestätigen: Nicht nur die sog. Schweinegrippe, sondern auch die "Scheinegrippe" hat uns nach wie vor schwer im Griff. Hieß es vor kurzem noch, die Wirtschaft sei auf dem Wege der Genesung, verschreiben die Doktoren des "Sachverständigenrats" im Hinblick auf die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung nun doch wieder eine strenge Diät. In der Wirtschaft selbst begnügt man sich derzeit mit Pragmatismus.

Leiser ist es geworden um die anfänglich lautstark geführte Grundsatzdebatte um "Werte" in der Wirtschaft. Aber könnten die überhaupt etwas austragen? Wäre beispielsweise eine Mischung aus Nachhaltigkeit, Anstand, Gerechtigkeit oder auch Verantwortung der richtige Impfstoff, um uns langfristig gegen die "Scheinegrippe" zu immunisieren? Und was meinen die Kirchen dazu? Christliche Werte als grundlegendes Heilmittel für die kränkelnde Wirtschaft. Macht das Sinn? Genügen nicht einfach ökonomische "Spielregeln", die ein reibungsloses Wirtschaftshandeln gewährleisten? Ist der Ruf nach Werten aus ökonomischer Perspektive nicht sogar kontraproduktiv, weil er von der zentralen Frage nach der Wohlfahrtsmaximierung ablenkt?

Nach Max Webers berühmter These, es gebe einen Zusammenhang zwischen der Verbreitung des Protestantismus und der Entstehung des modernen Kapitalismus, lässt sich heute fragen: Hat das protestantische Christentum einen spezifischen Blick auf die Wirtschaft und ihre aktuelle Krise? Was kann eine christlich-protestantische Wertorientierung dem Einzelnen als Handlungsmaßstab an die Hand geben?